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Manche Konflikte sind rechtlich nicht justiziabel…

In vielen Bereichen tauchen Konflikte auf, die rechtlich kaum zu fassen sind. Häufige Schauplätze sind Streit in der Familie, am Arbeitsplatz und Konflikte in Hausgemeinschaften. Der Gang zu Anwalt und Gericht verspricht keine nachhaltige Lösung der Konfliktursachen. Denn die zwangsweise Durchsetzung einzelner Ansprüche löst die „Probleme des Miteinanders“ nicht. Wie können Mediation und gewaltfreie Kommunikation hier helfen? Ein Beispiel:

Inga, Berta, Florian und Malte leben in einer WG. Das jüngste Mitglied ist 19 und beginnt gerade sein Studium, das älteste ist 38 und geschiedener Vater eines zweijährigen Sohnes. Alle schätzen die bunte Mischung. Dennoch überlegt sich Berta nach nur einem Jahr auszuziehen. Der Grund: Sie ärgert sich fast jeden Tag über den Putzplan, bzw. vielmehr darüber, dass er nicht eingehalten wird.

Obwohl immerhin ein Putzplan existiert, wird wohl kaum ein Gericht die Mitbewohner zum regelmäßigen Putzen oder Wegbringen der Pfandflaschen verpflichten. Ein solcher Konflikt kann Betroffenen das Gefühl geben, hilflos zu sein und viel Wut und Ärger verursachen. Mediation und gewaltfreie Kommunikation können jedoch helfen, eine tragfähige Lösung zu finden.

In einer Mediation ist es wichtig herauszuarbeiten, dass ein bestimmtes Verhalten nicht dazu dient, den anderen zu ärgern. Das ist zumindest in den meisten Fällen so. Es prallen nur gelegentlich relativ konträre Bedürfnisse aufeinander. Menschen sind eben verschieden und ihr Bedürfnis nach Ordnung und Sauberkeit ist unterschiedlich ausgeprägt. Wenn es Berta gelingt, (mit Hilfe eines Mediators) über ihr Bedürfnis zu sprechen, in einem sauberen Zuhause zu leben, wird das ihre Mitbewohner nicht kränken oder ärgern. Ihre Mitbewohner werden vielleicht jetzt erst verstehen, welche Bedeutung die Einhaltung des Putzplans für Berta hat. Wenn allerdings Sätze fallen wie: „Ihr putzt nicht richtig, haltet den Putzplan für einen Toilettenspruch und seid schlampig!“ werden Bertas Mitbewohner vermutlich blockieren und (überaus menschlich) nach Bertas Fehlern suchen, die vielleicht gern laut Musik hört oder mit Knoblauch kocht. Die Spirale der gegenseitigen Kritik beginnt sich zu drehen…

Gegenseitige Schuldzuweisungen bringen nichts, lautet ein nicht selten bemühter aber richtiger Satz. Tatsächlich ist es für die Lösung von Konflikten besser zu betonen, was einem selbst wichtig ist. Versuchen Sie doch mal einen Konflikt mit den vier Schritten der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg zu lösen:

  1. Beobachten ohne zu werten (!), – (z.B. die Töpfe stehen unabgewaschen im der Spüle, die Spülmaschine ist nicht ausgeräumt, die Mülltüten stapeln sich vor der Wohnungstür; nicht: Malte lässt seine Töpfe immer unabgewaschen in der Küche rumstehen)
  2. die eigenen Gefühle wahrnehmen, – (z.B. Ärger, das Chaos überall sehen zu müssen)
  3. die hinter den Gefühlen stehenden (unerfüllten) eigenen Bedürfnisse erkennen, – (z.B. der Wunsch, in einer sauberen und ordentlichen Wohnung zu leben, in die man auch Gäste einladen kann, ohne sich zu schämen)
  4. eine konkrete Bitte äußern – (z.B. Wärt Ihr bereit Euch mit mir darüber zu unterhalten, welche Standards in Sachen Hygiene und Ordnung wir in unserer Wohnung haben wollen? -> Erklärungen seiner Bedürfnisse schaden nicht! z.B.: … denn ich fühle mich gerade nicht mehr wohl in der Wohnung.)

Fazit:

Auf der Basis von „Ich-Botschaften“ können besser Lösungen für Konflikte gefunden werden, als durch den Versuch, die anderen durch vermeintlich bessere Argument zu überzeugen oder zu widerlegen. Mediatoren können auch bei rechtlich kaum zu fassenden Konflikten helfen, indem sie Vereinbarungen „herbeimediieren“. Das funktioniert natürlich nicht nur bei Wohngemeinschaften. In wirtschaftlichen Zusammenhängen spricht man statt von Bedürfnissen häufig von Interessen.