Seite wählen

Wie Mediation bei der Entführung eines Kindes durch einen Elternteil helfen kann

Eine Ehe zwischen Paaren mit unterschiedlichen Nationalitäten ist längst Normalität. In Europa werden jährlich über 350.000 internationale Ehen geschlossen. Kommt es zur Trennung und Scheidung, kehrt nicht selten einer der Ehegatten in seine alte Heimat zurück. Problematisch wird es, wenn das Paar Kinder hat und ein Elternteil diese ohne Erlaubnis mitnimmt oder aber beispielsweise aus Urlaub nicht mehr mitbringt, Kinder also zurückhält. Rechtlich stellen beide Verhaltensweisen eine Kindesentführung dar.

Mediation in internationalen Kindschaftskonflikten

Eine Kindesentführung bringt starke Emotionen wie Verzweiflung, Angst, Trauer und Wut in beiden Elternteilen hervor. Es bedarf sehr viel Einfühlungsvermögen und gegenseitigen Respekt, um Kinder in diesen spannungsgeladenen Situationen nicht aus dem Auge zu verlieren und zum Spielball werden zu lassen. Diese leiden zumeist auch noch unter der Trennung der Eltern.

Mediation als klar strukturiertes Verfahren hilft den Eltern, die Bedürfnisse und Interessen hinter ihren Standpunkten und Handlungsweisen zu erkennen und zu  formulieren. Mithilfe des Mediators werden die hinter diesen negativen Gefühlen steckenden Interessen und Bedürfnisse der Eltern herausgearbeitet. In diesem Prozess wird der Mediator den Eltern das Wohl des Kindes besonders ins Bewusstsein rufen. Durch die Mediation wird wieder gegenseitiges Vertrauen aufgebaut. Sie hilft den Eltern dabei, ihren Kindern gemeinsam als Eltern erhalten zu bleiben.

Am Ende der Mediation steht eine verbindliche Lösung, die beide Elternteile gleichermaßen zufriedenstellt. Sie kann damit mindestens als Zwei-Gewinner Lösung bezeichnet werden. Zählt man das Kind hinzu, wird es zu einer Drei-Gewinner Lösung. Sie bietet zahlreiche Vorteile zu einer gerichtlich angeordneten Rückführung des Kindes. Denn mit Rückführung ist der Konflikt zwischen den Eltern nicht beendet, sondern er geht nur in zweite Runde. Selten akzeptieren Eltern die Ent-und Rückführung und eine Spirale von Verletzungen, Angst und gegenseitigen Schuldzuweisungen setzt sich fort. Darunter leiden die Schwächsten am meisten: die Kinder.

Rechtliche Aspekte der Kindesentführung und das HKÜ

Nimmt ein Elternteil das gemeinsame Kind ohne Erlaubnis mit in seine alte Heimat, stellt das rechtlich eine Kindesentführung dar. Durch internationale Rechtsvorschriften des Haager Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung (kurz HKÜ) vom 25.Oktober 1980 kann eine zügige Rückführung des Kindes in das Land seines gewöhnlichen Aufenthalts angeordnet werden, wenn das Kind unter 16 Jahre alt ist und dies von dem anderen Elternteil beantragt wurde.

Dem HKÜ sind zahlreiche, auch nicht europäische Länder beigetreten. Durch die zwischen den Vertragsstatten vereinbarten Regelungen des HKÜ soll sichergestellt werden, dass die Sorgerechts- und Umgangsregelungen des Landes, in dem das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte, auch nach der Entführung Beachtung finden.

Das Gerichts- und Mediationsverfahren unter Anwendung des HKÜ

Bei dem Verfahren des HKÜ prüft das Gericht, in dem sich das Kind nach der Verbringung befindet oder in dem zurückgehalten wird, ob dies widerrechtlich geschehen ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn der andere Elternteil der Verbringung nicht zugstimmt hat oder in dem Fall, dass das Kind aus dem Urlaub nicht wieder gebracht wird, dem Verbleib nicht zustimmt. Dann liegt eine Verletzung des Sorgerechts und Umgangsrechts dar. Das Gerichtsverfahren, in dem dies festgestellt wird, darf in Deutschland eine Dauer von 6 Wochen nicht überschreiten. Auch in diesem Stadium ist eine Mediation zwischen den Eltern möglich. Das Gericht wird dies anregen, um eine einvernehmliche, tragfähige Lösung zu erzielen, die dem Kindswohl am ehesten entspricht.

Wird eine Mediation nicht oder nicht mit Erfolg durchgeführt und geht das Gericht von der Widerrechtlichkeit aus, endet das Verfahren damit, dass das Gericht die zügige Rückführung (meist binnen einer Woche) anordnet. Kommt der Elternteil dieser Entscheidung nicht nach und bringt das Kind nicht zurück, kann sie durch einen Gerichtsvollzieher vollstreckt werden.