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Baumediation — Es sei denn, man spielt lieber Lotto

Nach Aussage eines oberen Richters gleicht die Anspruchsverfolgung in Bausachen einem unkalkulierbaren Lotteriespiel. Kalkuliert werden können weder die Dauer des Verfahrens noch der Verfahrensgang noch die Kosten. Die Parteien eines Bauprozesses verlieren während des Verfahrens zunehmen die Selbstbestimmung und Kontrolle. Gerade für Bauakteue ist das nur schwer zu ertragen, abgesehen von den wirtschaftlichen Auswirkungen.

Die Vorteile der Baumediation liegen auf der Hand, denn die Faktoren Zeit und Geld können wesentlich von den Konfliktparteien bestimmt und das gesamte Verfahren kontrolliert werden.

1. Mediation spart Zeit

Die durchschnittliche Verfahrensdauer eines Bauprozesses beträgt, wenn das Verfahren in der ersten Instanz durch rechtskräftiges Urteil abgeschlossen wird, 44 Monate. Damit dauern Klagen in Bausachen 1 ½ Mal so lange wie in normalen Zivilverfahren. Wird über mehrere Instanzen gestritten und vor Einreichung der Klage ein Selbständiges Beweisverfahren durchgeführt, kann so ein Verfahren auch 10 Jahre und länger dauern. Das ist nicht unüblich. Es ist auch nicht unüblich, dass die Parteien eines Baukonfliktes das Verfahren wirtschaftlich nicht überleben.

Wenn sich die Konfliktparteien in einer Bausache für eine Baumediation entscheiden, erarbeiten sie mit Unterstützung des Mediators selbstbestimmt eine Einigung. Sie können unter Berücksichtigung ihrer besonderen Interessen und Ziele Lösungsoptionen entwickeln und das für sich und die Situation bestmögliche Ergebnis erzielen. Das kann erfahrungsgemäß schon in wenigen Stunden oder Tagen gelingen und liegt weitgehend in der Hand der am Konflikt Beteiligten.

Das ist, nicht nur wenn der Baufortschritt durch den Konflikt beeinträchtigt wird, ein erheblicher Nutzen der Mediation gegenüber dem Gerichtsverfahren

2. Mediation sichert Kontrolle

Der Lauf eines Gerichtsverfahrens kann sich, gerade wenn es um Fragen wie Leistungsinhalte und Mängel geht, ganz unvorhergesehen entwickeln.

Hier ein paar Möglichkeiten, keinesfalls vollständig:

Es treten weitere Verfahrensbeteiligte als Folge von Streitverkündungen hinzu. Die Dauer des Verfahrens erschwert die Beweissituation. Sachverständige erkranken oder lehnen die weitere Begutachtung ab. Die Sachverständigengutachten führen zu überraschenden Wendungen. Wechsel auf der Richterbank beschweren den Prozess zusätzlich.

Anders im Mediationsverfahren: Hier  behalten die Konfliktparteien bis zuletzt die volle Kontrolle über den Verhandlungsprozess:

Sie wählen einvernehmlich den Mediator und haben hierbei die Möglichkeit, sich für einen Bau-Mediator zu entscheiden d.h. einen Mediator der zusätzlich branchenspezifische oder besonders ausgewiesene Rechtskenntnisse hat z.B. als Fachanwalt für Bau-und Architektenrecht.

Sie gestalten den Inhalt des Verfahrens, da sie in der Mediation bestimmen, über welche wirtschaftlichen und auch persönlichen Belange sie sprechen wollen. Sie entscheiden auch einvernehmlich darüber, ob sie auf den Sachverstand Dritter, durch Einholen von Gutachten zurückgreifen wollen.

Sie haben Einfluss auf die Dauer des Mediationsverfahrens, denn sie gestalten insgesamt den Ablauf.

Sie bestimmen den Inhalt der Einigung, die wirtschaftliche und persönliche Belange berücksichtigen kann und sind nicht vom Urteil eines außenstehenden Richters abhängig.

Damit ist sichergestellt, dass eine Einigung, die mit Hilfe der Mediation erzielt wird, die Interessen der Konfliktparteien gleichermaßen berücksichtigt.

Vertraulichkeit ist ein weiterer Vorteil des Verfahrens. Die Konfliktparteien können ohne Druck von außen in einem geschützten Rahmen verhandeln. Es besteht kein Risiko, dass Einzelheiten des Prozesses nach außen dringen und z.B. zu einem Imageschaden führen

3. Mediation spart Geld

Im Bauprozess sind die Prozesskosten regelmäßig schwer einzuschätzen. Sie werden bestimmt von den hohen Streitwerten, der langen Verfahrensdauer, den Kosten für Sachverständigengutachten. Baurechtsanwälte arbeiten weitgehend auf Stundenhonorarbasis, was die die Kostenprognose zusätzlich erschwert.

Demgegenüber ist der Kostenaufwand der Mediation einschätzbar und vergleichsweise niedrig.

Üblicherweise wird der Zeitaufwand nach Stundensätzen abgerechnet. Bei guter Vorbereitung durch einen erfahrenen Mediator können Streitigkeiten in der Regel innerhalb von 1-2 Tagen abgeschlossen werden, wobei noch Vor- und Nachbereitungszeiten für den Mediator hinzukommen. Auch in sehr komplexen Angelegenheiten mit mehreren Beteiligten von längerer Dauer bleiben die Kosten für ein Mediationsverfahren weit unter den Kosten eines Gerichtsverfahrens.

Zeit, Geld und Kontrolle sind wesentliche Faktoren für den Erfolg eines Bauvorhabens, also 3 gute Gründe eine Mediation einem Gerichtsverfahren vorzuziehen. Es denn, man spielt lieber Lotto.